Um eine bessere Vorstellung zu bekommen, wie die beschriebenen Schritte in der Praxis umgesetzt werden können, sehen wir uns zwei Beispiele aus verschiedenen Gewerken an. Diese veranschaulichen, wie die Zahlungsprozesse und möglichen Konflikte im Handwerksalltag ablaufen können und welche Maßnahmen ergriffen werden sollten, um Zahlungsverzögerungen oder Streitigkeiten zu vermeiden.
Beispiel 1 – Malerbetrieb
Ein Malerbetrieb führt Arbeiten in einem Privathaushalt durch. Nach der Fertigstellung der Arbeiten und der anschließenden Abnahme bemerkt der Kunde einige Tage später bei anderen Lichtverhältnissen Unregelmäßigkeiten im Farbverlauf und verweigert die Zahlung.
In diesem Fall ist es wichtig, dass der Malerbetrieb den schriftlichen Auftrag und die Abnahme der Arbeiten durch den Kunden vorlegen kann, um zu zeigen, dass die Leistung ordnungsgemäß erbracht wurde. Da eine solche Abnahme ohne eine rechtzeitige Mängelanzeige existiert, kann der Betrieb die Zahlung mittels Mahnung bzw. gerichtlichen Schritten einfordern.
Beispiel 2 – Elektrobetrieb
Ein Elektriker führt Arbeiten in einem Bürogebäude durch und installiert eine neue Beleuchtungsanlage. Der Kunde zahlt nicht, weil er mit der Installation nicht zufrieden ist. Bereits zum Zeitpunkt der Abnahme wurden verschiedene Mängel angezeigt und eine Nachbesserung in Aussicht erstellt, die dann jedoch nicht erfolgte.
Da sowohl nachweisliche Mängel vorliegen und es sich bei dem Auftraggeber des Weiteren um ein großes Unternehmen mit dem Potenzial auf lukrative Folgeaufträge handelt, gibt der Elektriker nach und führt entsprechende Nachbesserungsmaßnahmen durch, anstelle auf die fristgemäße Begleichung der Rechnung zu beharren. Anschließend zahlt der Kunde die Rechnungssumme ohne Abzüge.